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  VÖGB   Sonntag, 01.08.2010 - 10:27
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Inhalt

Der Lehrplan der österreichischen Gewerkschaftsschule versteht sich als Rahmenlehrplan in Bezug auf Mindeststandards für die zu behandelnden Themenblöcke. Je nach Standort können sich davon geringfügige Abweichungen ergeben, bzw. können auch von den einzelnen Gruppen selbst gewählte Schwerpunkte gesetzt werden.

Arbeitsrecht (50 UE)

Überblick über die für ArbeitnehmervertreterInnen wesentlichsten Bestimmungen des individuellen und kollektiven Arbeitsrechts. Vor allem sollen in der Praxis immer wieder auftretende Fälle richtig eingeordnet werden können, nach dem Motto „Wissen, wo man nachschauen kann“.

Für einzelne Arbeitnehmergruppen (Gemeindebedienstete, Beamte) können auch Einblicke in besondere Rechtsbestimmungen angeboten werden.

- Einführung in das Arbeitsrecht/Stufenbau der Rechtsordnung
- Arbeits- und Dienstvertrag/Dienstzettel
- Mitwirkungsmöglichkeiten und Rechtsstellung des Betriebsrates
- Dienstverhinderung
- Urlaubsrecht
- Arbeitszeitrecht, Arbeitsruhe
- Beendigung von Arbeits- und Dienstverhältnissen
- Die Betriebsratswahl
- Optional: Dienstrecht, ArbeitnehmerInnenschutzG, EntgeltfortzahlungsG, AngestelltenG, Gewerbeordnung

 Sozialpolitik/Sozialrecht (20 UE)

Verständnis für das österreichische Sozialsystem gewinnen, insbesondere für die aus Arbeitnehmersicht existenziellen Prinzipien der solidarischen Versicherung und der Selbstverwaltung.

- Grundlagen der Sozialpolitik, Finanzierung des Sozialsystems
- Kranken-, Unfall-, Pensions-, Arbeitslosenversicherung
- Arbeitsmarktpolitik
- Optional: Pflegeversicherung, Sozialhilfe, Armut in Österreich etc. 

Gewerkschafts- und Gesellschaftspolitik (50 UE)

Überblick über Organisation und Politik der Arbeitnehmerinteressenvertretung, eventuell auch einzelner Fachbereiche (Frauen, Jugend, Bildung). Erlangung eines Grundverständnisses für Politik in der Demokratie, auch im Vergleich zu nichtdemokratischen Staatsformen. Sensibilisierung für Politikbereiche, die traditionell nicht im Zentrum gewerkschaftlichen Handelns stehen (Gleichbehandlung, MigrantInnen). Behandlung aktueller Fragen der Zeit unter dem Motto „über den Tellerrand hinaus schauen“.

- Aufbau und Organisation des ÖGB und der Gewerkschaften
- Die AK
- Verhältnis BR-ÖGB-AK
- Politik des ÖGB (ev. ergänzt um einzelne Schwerpunkte)
- Staat und Verfassung
- Politische Entwicklungen in Europa
- Gleichbehandlung, Gender Mainstreaming, Diversity 
- AusländerIn sein in Österreich
- Konsumentenschutz
- Medienpolitik
- Gesundheit und Umwelt

Geschichte der ArbeiterInnenbewegung (9 UE)

Wer die Fragen der Geschichte nicht kennt, kann auch keine Antworten für die Zukunft finden. Exemplarische Darstellung ausgewählter Kapitel der Geschichte der arbeitenden Menschen, mit dem Schwerpunkt auf das Entstehen von Gewerkschaften und die Entwicklung des modernen Sozialstaats. Auseinandersetzung mit dem größten Feind der organisierten Arbeiterschaft, dem Faschismus. Ev. ergänzt durch regionale oder lokale Bezüge.

Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft (30 UE)

Verständnis für Grundfragen der nationalen und internationalen Wirtschaftspolitik unter besonderer Berücksichtigung der europäischen Ebene. Grundlagen der Volks- und Betriebswirtschaftslehre unter dem Motto, „den Wirtschaftsteil einer Tageszeitung verstehen können“. Wirtschaftliche Mitbestimmung. Die Bedeutung der Steuerpolitik aus Arbeitnehmersicht. Grundlagen der Lohnverrechnung.

Rhetorik und Kommunikation (35 UE)

Einerseits integrierter Bestandteil der gesamten Ausbildung durch diverse Arbeitsformen (Tagesvorsitz, Diskussionsleitung bei Gruppenarbeiten, Präsentation von Gruppenergebnissen). Andererseits gezieltes Training (bevorzugt in Form von Wochenendseminaren). Ziel ist es, ein sicheres Auftreten zu erlangen, den eigenen Argumentationen Überzeugungskraft zu verleihen und erfolgreicher kommunizieren zu können.

- Grundlagen der verbalen und non-verbalen Kommunikation
- Grundregeln der Rhetorik
- Argumentationstraining
- Übung der freien Rede
- Konfliktkommunikation
- Optional: NLP Techniken bzw. NLP-Practitioner-Ausbildung

Internationale Gewerkschaftsarbeit (9 UE)

Erlangung eines Verständnisses für die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit vor dem Hintergrund der Globalisierungstendenzen. Darstellung der internationalen Arbeitnehmerorganisationen und von Beispielen praktizierter internationaler Solidarität. Schwerpunktsetzung auf die europäische Gewerkschaftsarbeit vor dem Hintergrund der EU-Erweiterung.

Praktische Gewerkschaftsarbeit (20 UE)

Teilweise integrierter Bestandteil durch diverse Arbeitsformen (Protokollführung, Tagesvorsitz, Konferenzvorbereitung, Exkursionen). Exemplarische Einblicke in die alltägliche Arbeit von ArbeitnehmervertreterInnen. Vermittlung von Handwerkszeug zur Optimierung der Zusammenarbeit eines Gremiums und von strategischen Kenntnissen zur besseren Zielerreichung. Motivation zur Mitgliederwerbung.

- Sitzungen und Versammlungen korrekt und spannend durchführen
- Vorsitzführung
- Schriftverkehr im BR-Büro
- Teambildung im BR-Gremium
- Öffentlichkeitsarbeit für das BR-Team
- Planung und Durchführung von Kampagnen
- Strategische BR-Arbeit
- Neue Formen der Mitgliederwerbung 

Projektarbeit (optional)

Wenn dies von den Rahmenbedingungen möglich ist, werden die einzelnen Gruppen motiviert, im Rahmen des Unterrichts ein Projekt zu einem aus dem lehrplan selbst gewählten Thema durchzuführen. Neben dem entsprechenden Inhaltsbereich bietet diese Arbeitsform eine gute Möglichkeit, Teile aus den Themenblöcken „Kommunikation“ und „Praktische Gewerkschaftsarbeit“ zu vertiefen bzw. Erfahrung in projektorientierter Gruppenarbeit zu sammeln.

Organisatorisches, Gruppenprozess

Eine bunt gemischte Gruppe, die zwei Jahre lang miteinander lernt und arbeitet, benötigt Zeit und Raum für sich selbst, sei es, um organisatorische Fragen zu klären, oder, um der Dynamik des Gruppenprozesses die angemessene Aufmerksamkeit zu schenken. Je nach Gruppe erfolgt dies in eigenen, dafür reservierten Unterrichtseinheiten, in integrierter Form („aktuelle halbe Stunde“) oder je nach Bedarf.

Wahlfächer

Grundsätzlich besteht für die einzelnen Schulen die Möglichkeit, zur Vertiefung einzelner Themenblöcke zusätzliche Unterrichtseinheiten zu wählen. Dabei wird darauf geachtet, dass die diesbezüglichen Entscheidungen nachvollziehbar von der Gruppe selbst getroffen werden und dass die Schwerpunktsetzung nicht zu einer Vernachlässigung anderer wichtiger Themenblöcke führt.

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